Samstag, 6. September 2014

Der Pinscher und das Meer - whale watching


Wie schon in Norwegen verbietet auch in Portugal irgend ein Gesetz Pinschern das beobachten von Walen in freier Natur. Während wir vergangenes Jahr einen Pinschersitter engagieren mussten, war man in Portugal durchaus gewillt, das Gesetzt etwas großzügiger auszulegen. Wenn der Pinscher, so lange andere Boote in Sicht waren, brav in seinem Körbchen verharren würde und erst draußen auf hoher See hinaus gelassen würde, dann dürfe er mitkommen. 




Pünktlich, um zwanzig vor fünf waren wir zur Einweisung im Hafen von Calheta. Unser Schiff: die 1964 gebaute Ribeira Brava, ein Fischerboot aus Holz, 13 Meter lang, unser Kapitän: Sr. Leis, ein hagerer, erfahrener portugiesischer Fischer, Frau vom Fach: Fatima, Naturpädagogin , 12 Mann und Frau Besatzung und ein Pinscher. Sprache an Bord: Zeichensprache zwischen Sr. Leis und Fatima, sowie deutsch - achja, der Chef, der Chef der Firma Lobosonda saß mit seinem Fernrohr und Mobiltelefon bewaffnet 500m über uns auf der Klippe und hielt ausschau nach den Meeressäugern. 

seekranker Pinscher


Nach dem verlassen der schützenden Hafenmauern nahm das Vergnügen seinen Lauf. Die durchaus gut motorisierte hölzerne Nussschale fuhr tapfer die Wellenberge hinauf und wieder herunter. Was von Ufer aus ganz harmlos aussah ging jetzt schon ein wenig durch den Magen. Der Pinscher lugte nur Kurz aus seiner schützenden Tasche hervor und verkroch sich gleich wieder. Er war dann auch der Erste, aber nicht der Einzige, den die Seekrankheit übermannte. Sr. Leis telefoniert immer wieder mit dem Chef hoch oben auf dem Berg. An Steuerbord schwamm eine große Meeresschildkröte vorbei, die dann aber schnell abtauchte. 30 Augen Tasteten das Meer nach Unregelmäßigkeiten ab, wenigstens Delfine wollten wir doch sehen.


Nach 1 1/4 Stunde rief Fatima, sie habe einen Wal nahe der Küstenlinie blasen sehen. Sr. Leis warf das Ruder herum und steuerte Richtung Insel zurück. Ab nun wurde mir ziemlich übel, was wohl am veränderten Wellenrhythmus lag. Nach kurzer Zeit konnten wir alle den Wal sehen. Ein Breitwal, verkündete Fatima, ein ausgewachsenes Exemplar, das auf Beutefang der Küste Richtung Nordosten folgte. Der Wal holte mehrere Male Luft um dann für eine Weile in der Tiefe zu verschwinden und kleine Fische und Krebstiere mit seinen Barten aus dem Wasser zu fischen. Nach vier bis fünf Minuten tauchte er dann wieder auf um erneut Luft zu holen. Breitwale tauchen nur 200 - 300 m hinab, deswegen sind sie auch häufig in Küstennähe zu beobachten. Wo der Wal allerdings das nächste Mal auftaucht, kann man nicht mit Sicherheit sagen. Wir hielten den Kurs und hatten großes Glück, der Wal tauchte gleich neben unserem kleinen Boot auf und einmal darunter hinweg, so dass man von oben seine beeindruckende Größe und die Schönheit dieses Riesens sehen konnte. 


Noch ein letztes Mal warteten wir auf den Wal, bevor Sr. Leis das Boot wieder Richtung Hafen steuerte. Mir war verdammt übel jetzt und auch der Pinscher war sichtbar erleichter, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Aber schön war´s, Sabine hat sich gleich zur nächsten Wahlewatchingtour angemeldet, der Pinscher und ich werden es dann vorziehen vom Land aus zuzuschauen.