Sonntag, 24. Juni 2018

Wilde Bille - kurz vor Norwegen


Das Wetter lud nicht zum Fahrradfahren ein, aber Temperatur und übriges Wettergebaren erschienen mir durchaus passend, neu erworbenes Equipment für den bald folgenden Urlaub, jenseits des Polarkreises, einem letzten Test zu unterziehen.



Knapp zweistellige Temperaturen und mal mehr, mal weniger Regen könnten den Wetterbedingungen auf den Lofoten durchaus entsprechen, auch wenn man sich etwas anderes wünschen würde. Um den Aufwand gering zu halten bot sich der Sachsenwald und das Billetal als passendes Wanderrevier an.


Als wir das letze Mal hier waren gab es eine Menge Neuschnee. Heute zauberte der verhangene Himmel sattes Grün in das wilde Billetal. Lotte sprintete sofort los. Toll einen Hund zu haben, auf den man (fast) nicht achten muss. Sie ist einfach Cool und macht das schon. Fast reicht es aus, das Tipsen und das Rascheln im Laub im Ohr zu haben, etwas anstellen wird sie wohl nie. Lediglich größere Mengen Waldboden sammelt sie in ihrem Fell und ab und an muss sie auch von mitgeschleppten Ästchen und Kletten befreit werden. 

Recht bald zog eine kräftige Regenschauer vorüber. Die Regenjacke war dicht, wie übelich in beide Richtungen. Bergauf und bei entsprechender Hitze wird man also trotzdem nass. Erwartet hatte ich nichts anders. Die neue Hose ist leicht und elastisch, dabei dünn genug um sehr schnell wieder zu trocknen. Schuhe! Das leidige Thema. Schuhe müssen fest und wasserdicht und trittsicher und hoch und und und vor allem schweineteuer und vom Fachberater explizit empfohlen sein. Alles schon gehabt, die letzten, fast 250,- € teure Modelle, habe ich vor eine Obdachlosenheim in Ulan Ude abgestellt und danach noch mehrmals allen erdenklichen Fußärger mit diversen Exemplaren gehabt.

Stellt sich die Frage: Was brauchen meine Füße wirklich? Auf Converse Stofflatschen könnte ich schmerzfrei um die halbe Welt laufen, nur leider sind diese je nach dem nur bedingt geländetauglich. Also so etwas ähnliches muss es sein. Beim Billig-Outdoor-Höker Decathlon wurde ich dieses Mal fündig. Keine Blasen, keine Schmerzen, kein Abrieb an alten Wunden und tatsächlich keine nassen Füße, obwohl ich die eine oder andere Pfütze absichtlich mitgenommen hatte. Das macht Hoffnung, die Teile gehen mit. Die neuen Wandersocken dito.




GPS per Smartphone mit vorinstallierte Komoot Karten funktioniert wunderbar auch ohne Netz. Derweil hatte Lotte ausgiebig Spaß und sah mal wieder aus wie eine kleine Wildsau. Egal, Baden wäre heute sowieso fällig gewesen. Der Hundebademantel muss noch getestet werden.


Um Kaffee und Kuchen muss man sich im Sachsenwald selbst kümmern. Ich hatte vorgesorgt. Da es immer noch regnete dedurfte es lediglich eines leidlich trockenen Plätzchens und auch hier wurde ich irgendwann fündig.



Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Nein, kein blöder Spruch, am Ende unserer Tour waren wir sehr vergnügt und zudem gewiss, das wir auch im Polarsommer unsere Freude haben werden.


Nun sitze ich zufrieden am Schreibtisch, nachdem ich auch das technische Equipment auf Funktion und Zuverlässigkeit geprüft habe. Wer drei Tage im spanischen Outback versucht hat einen defelten OTG adapter zu ersetzen wird vorsichtig. Stromversorgung, Kamera, Tablet, GPS Gerät, Verkabelung - alles läuft und funktioniert. Das neue Tablet kommt mit RAW Dateien zurecht, überträgt GPS und Bilddateien recht flink und den Text hier habe ich auch schnell zu Pap.....Bildschirm gebracht. Norwegen wir kommen. 



Montag, 4. Juni 2018

Plan E


"Leben ist das, was passiert, während du fleißig dabei bist, andere Pläne zu schmieden." sagte 
schon John Lennon. So hatte ich auch den diesjährigen ersten kleinen Urlaub ganz anders geplant. Oft denke ich, man schaut besser zu, was so passiert und steigt ein, wenn es passt. Bloß nicht verrückt machen lassen. Zwei Tage mit Lotte alleine wo´s schön ist - das kann ja wohl nicht zu viel verlangt sein. Blöd, wenn es dann nach 5 Wochen erstmalig wieder so richtig schüttet. Die Ausgearbeiteten Pläne A,B,C und D (bei Hitze und strahlendem Sonnenschein) waren durch den noch zu erstellenden Plan E (bei Regen) zu ersetzen - kann vorkommen.




Statt das vorgebuchte Gemach von Hamburg, Aumühle, Lüneburg oder Büchen aus anzufahren, gebot der frühmorgendliche, andauernde Landregen eine kürzere Anreise. Hier bot die Wendlandbahn, bei Anreise bis Dannenberg Ost, maximale Abkürzung. Am Ende wurde es dann Plan E (II) mit Elbquerung in Lenzen.


Endlich in Dannenberg angekommen, drehte Lotte erst einmal zwei rasante Runden um das Bahnhofsgebäude, sehr zur Belustigung des Lokführers. Ich erschrak ein wenig, aber viel passieren kann da nicht. Im Wendland ticken die Uhren langsamer und wenn überhaupt jemand kommt, dann später. Trocken! Na wer sagt´s denn. 


Zum ersten mal in meinem Leben war ich in Gorleben. Die Zeichen des Protestes sind allgegenwärtig. Wie schön es hier doch ist, dachte ich bei mir, warum soll gerade hier der gesamte Atommüll der Nation vergraben werden? Am südöstlichsten Zipfel von Niedersachsen galt es einen echten Berg zu erklimmen. Auf knapp 70m Höhe standen einst zwei der gigantischsten Bauwerke der Republik, die Sendemasten Gartow I und II, sie ermöglichten über Jahrzehnte die direkte Funkverbindung über Feindesland nach West Berlin. 


Der Rad! Weg hinab zur Elbe, gekennzeichnet durch ein "Radfahrer Absteigen" Schild, wies neben einem markanten Gefälle weitere Unzulänglichkeiten in Form von umgestürzten Bäumen auf. Bei genauerer Betrachtung der Situation konnte man leicht erkennen, dass der Sturm, der die Eichen dahinraffte definitiv nicht der letzte oder vorletze gewesen sein kann, sondern schon eine ganze Weile her sein musste. Also, Hund raus aus der Tasche (den muss ich nun wirklich nicht über Stock und Stein hieven) und dann mit geschultertem Fahrrad weiter. 


Ein paar Mal klingeln und die Fähre setzte sich ratternd vom anderen Elbufer in Bewegung, um uns in die Prignitz hinüber zu holen. Welch wunderbares Land -  auch hier überwiegt, wie vormals im Wendland, das Nichts und die Stille. Die erste Mahd in den Elbauen war eingefahren, die Wiesen aufgrund der lange anhaltenden Trockenheit verbrannt. Störche stolzierten auf der Suche nach Fröschen und Mäusen. 


Autopilot auf dem Elbdeich, das hier muss man sich einfach alles genau anschauen, sah es doch hier so aus, als würde jemand ganz langsam Seite für Seite die "Landlust" umblättern. Aha, hier also ist der Born der Ideen aller "zurück zur Natur Magazine".


Dömitz, das Ziel unserer heutigen Reise - ja ich ertappte mich gar dabei, verstohlen nach einer etwas dauerhafteren Bleibe dort zu suchen, die kleine Stadt am südwestlichen Zipfel von Mecklenburg, die wundervoll vor sich hin zerfällt, hat es mir angetan. Die sonst bevorzugten Herbergen vor Ort waren ausgebucht, oder lagen oberhalb es knappen Budgets (schließlich wollen wir in vier Wochen nach Norwegen aufbrechen). So buchte ich eine vermeidliche (Google Bewertungen) Gruselherberge, von der auch meine bessere Hälfte, aus Erfahrungen, die 20 Jahre zurück liegen, gar schauriges zu berichten im Stande war. Plan E, alles wird gut, sauberes, kleines, ruhiges Zimmer mit Elbblick, kein W-Lan, kein Mobilfunk, aber heiß Wasser und Strom. Über den Preis hätte man diskutieren wollen, ich beschloss jedoch den inneren und äußeren Frieden zu wahren. 


Alleine mit Hund und Fahrrad ist Einkaufen ein schwieriges Thema. Noch etwas zu knabbern und viel Flüssigkeit sind dem Radler stets genehm. Auch Dömitz hat einen. Einen dieser neuen Aldis, die aussehen wie ein edler Feinkostladen. Plan E - heute klappte alles. Vor dem Eingang stand der (mutmaßlich) einzige Stadtstreicher der Gegend, mir wohl bekannt, von einem meiner vorangegangenen Besuch in der Stadt (da hatte er uns beim sonntagmorgentlichen Frühstück an der Tanke großartig unterhalten). Ich drückte ihm einen Euro und die Leine in die Hand: "Lotte!- Ich komm gleich wieder." Drinnen, im Aldi, wie überall nichts. Zwei Verkäuferinnen spielten offensichtlich "Kaufladen", soll heißen, die Eine kaufte der Anderen etwas ab, sonst war außer mir niemand im Aldi. Ich kam nicht umhin, mich über die Situation lustig zu machen, aber auch die Beiden nahmen es mit Humor: "Dömitz halt! Da geht samstags Abends keiner mehr bei Aldi!"


Nach einem Abstecher zum zerfallenen Bahnhof näherte ich mich dem Höhepunkt des Tages. Auerochsburger und Sanddornbrause im Hafenhotel. So viel Geld muss übrig sein, auch wenn es sonst gerade knapp wird. Auch wenn ich mich gerade wiederhole, im Zentrum des kulturell-kulinarischen Treibens der Stadt nichts los. Zum Glück, wer gibt schon einen freien Tisch am Samstag Abend an eine Einzelperson? So konnte ich ganz in Ruhe göttlich speisen, das hauseigene freie W-Lan benutzen und entspannt auf das Nichts im Hafen starren. 


Die Dämmerung war schon vorbei als ich aufbrach. Es regnete. Ich nahm den Weg über den Deich hinaus an die Eldemündung, Lotte sprintete vor und zurück. Über die Elbe kamen Fetzen von Musik. Schützenfest? Um Halbdunkel waren die Pfeiler der ehemaligen Bahnbrücke noch zu sehen. Mehr als 70 Jahre stehen sie nun schon ungenutzt in der Elbe, länger als sie je genutzt wurden. Quakende Frösche, Sprühregen im Gesicht, bis zur neuen Autobrücke sind es nur zwei Kilometer, oder drei. Es regnet. Tiefschlaf, Lotte auch, gegen 6 Uhr lag sie noch genau so auf der Decke vor dem Bett, wie sie am Abend eingeschlafen war. Die Elbe verschwand im Grau. Frische Luft satt, ich verschob das Frühstück um eine Stunde und schlief noch mal ein. Es regnete. 


Das Frühstück war überschaubar. Mir gegenüber saß ein Schweizer, wir redeten über dies und das. Die Schweiz ist eine Genossenschaft - erstaunlich, sie heißt ja so, aber klar wurde mir das erst im Gespräch. Es schadet nie, mit Ausländern ins Gespräch zu kommen. Gezahlt, gepackt, eine Gassirunde mit Lotte, es regnete nicht mehr - ich liebäugelte mit Plan A, geradewegs nach Hamburg zurück radeln. Im Laufe des Tages haderte ich dann noch ein wenig mit der Entscheidung. Permanenter Gegenwind kann einem als Radfahrer ganz schön die Laune verderben. Da heißt es dann einfach Zähne zusammen beißen und weiter. 


In Bleckede überquerte ich mit der Fähre die Elbe, zwischen Boizenburg und Geesthacht nutzt der kluge Radler gerne die linke Elbseite. In Radegast wurden wir zu Gast im Gasthof. Lotte am Nachbartisch (ich war leider nicht schnell sortiert genug, sie davon abzuhalten) und ich bei der Wirtin, die wie schon beim letzten Mal gegen hier nicht vorhandene Ausländer wetterte und mir tiefgefrorenen Apfelkuchen als selbstgebacken und frisch verkaufte. Ich schmunzelte und beschloss mich keinesfalls aufzuregen, schließlich benötigte ich meine Kräfte noch für die weiteren 70 Kilometer. Manche Dinge ändert man einfach nicht.


Nach über 90 km Deich und Schafen fiel im auf der Brücke an der Schleuse in Geesthacht auf, was ich überhaupt nicht vermisst hatte. Autoabgase und Motorradlärm. So ein Sonntag kann ganz wundervoll sein ohne. Ich war erstaunt, dass ich das gar nicht gemerkt hatte und beschloss gleich hinter der Stadtgrenze dem Trubel erneut zu entrinnen und den bewährten Marschbahndamm für die letzten Kilometer zu nutzen. Am Ende gab sich gar die Sonne noch ein Stelldichein. Zu Hause gab´s Kaffee, eine Begüßungspraline, eine Wanne mit heißem Wasser, dann die ersten Schmorgurken des Jahres an Tatort und für Lotte ein besonders leckeres Leckerli. Schön wenn man so empfangen wird, dann kommt man gerne immer wieder nach Hause.



Dienstag, 15. Mai 2018

Traumalleen




Im Winter sitze ich oft vor dem Computer und studiere Landkarten, Online-Reiseführer und Tourenportale nach lohnenden Zielen für Fahrradtouren für den kommenden Sommer. Schon im Mai, noch bevor dann der Sommer tatsächlich begonnen hat, ist die Anzahl der tatsächlich verfügbar freien Wochenenden geschmolzen wie das Wintereis - ganz nach dem Motto: "Irgenwas ist ja immer", sei es der unausweichliche Geburtstag von irgendwem, sozial-kulturelles Zwangsmaßnahmen, finanzielle Engpässe,  oder einfach auch mal nur richtig schlechtes Wetter, der Sommer ist quasi schon gelaufen.


Ein Frevel geradezu, wenn ausnahmsweise nichts davon zutrifft und ich trotzdem nicht das Weite suchen würde, dachte ich mir Freitag gegen Mittag und suchte flux eine günstiggute Unterkunft. Der Preis-Leistungs-Zufallsgenerator, verkörpert durch Booking.com, spuckte Parchim aus. 40,00€ incl. Frühstück bei sonnigen Bewertungen ist heutzutage schon fast geschenkt. Klick! - gebucht! Nahezu zeitgleich schlich sich eine SMS auf mein smartes Phone: "stell dir vor, ich habe das ganze Wochenende frei - wo fahren wir hin?" Ich hatte mich gerade auf alleine eingestellt. Da wir jedoch lange nicht mehr gemeinsam unterwegs waren und es zu zweit durchaus unterhaltsamer sein kann, nahm ich die kleine Programmänderung gerne an. Lediglich die Unterkunft war ausgebucht, sagte Booking.com. Ein kurzer Anruf klärte die Misslage und mit einem weiteren Telefonat war unsere kleine Reise an den folgenden zwei Tagen hinreichend geplant. 


Samstag Morgen lief dann ziemlich alles anders als geplant. Details erspare ich - die Folge, Start der Tour gegen 13:00 Uhr in Aumühle, das würde die Gesamtfahrzeit um ca. eine Stunde gegenüber einem Start zu Hause verkürzen, was uns im Anbetracht der fortgeschrittenen Tageszeit angemessen erschien. Mir schwebte eine gemütliche Tour vor, Ankunft am Ziel gegen 16:00 Uhr, ausgiebig duschen, dödelei, gediegenes Abendessen, einen Spaziergang durch die mir noch unbekannte Stadt, früh zu Bett gehen und vor dem Einschlafen noch etwas lesen. Aktuell standen die Zeichen nun auf "in die puschen kommen und Gummi geben". Das wir fast130 km gegen den Wind fahren würden entspannte die Lage überhaupt nicht. So blieb uns auch nur Zeit für eine kurze Pause am Schaalsee.


Hinter Zarrentin beginnt der wilde Osten. Auf betörend schönen blühenden Kastanien-Alleen gesäumt von blühenden Rapsfeldern geht einem das Herz auf. So schön! Und dieser Duft! Ich frotzelte noch, in den Dörfern hätten die üppig blühenden Fliederbüsche den einzigen Zweck, den Güllgeruch zu übertünchen. In der Lewitz passierten wir riesige Fischteiche und die Müritz-Elde-Wasserstraße und dann waren wir auch fast schon am Ziel. 


Freundlich wurden wir Empfangen. Die Zimmer waren angemessen, ein sicheres Plätzchen für die Räder gab es auch und man würde bis 20:00 Uhr servieren. Auf dem Zimmer gab es kostenloses Mineralwasser und die Dusche war sauber und heiß. Es blieben sogar noch ein paar Minuten zum verschnaufen. Das Essen war gut, zu einem Nachtisch kam es jedoch nicht mehr und da in der Küche schon geräumt wurde, trauten wir uns auch nicht, nach einem Kaffee zu fragen. 

Besichtigungsprogramm / Kulturecke: Das 18.000 Einwohner Kreisstädtchen Parchim ist exzellent herausgeputzt - und das war es dann auch schon. Es gibt einfach nichts zu berichten, Geschäfte, Kneipen, Döner - an einem lauen Samstagabend im Mai um 21:00 Uhr geschlossen. Kein Mensch auf den Straßen, der Stadtbrunnen gurgelte noch eine letzte Fontäne, bevor auch er in den Nachtmodus versetzt wurde. Was macht der Ostdeutsche wohl an lauen Maiabenden? 


Die Nacht war, das kann ich versichern, ruhig! Frühstück tadellos, nette Unterhaltung mit dem Herrn am Nebentisch: Er sei aus dem Rheinland und habe zu DDR Zeiten oft Tante und Onkel in Parchim besucht. Es sei ein Paradies gewesen und Samstags sei immer der Sand vor dem Haus gerecht worden. Bezahlen, Stahlrösser satteln, ja, einen Hund dürfe man auch mitbringen. Das war sozusagen die Einladung, mit Lotte noch einmal hier her zu kommen. An der Shell-Tankstelle noch schnell die Getränkevorräte auffüllen und dann führte uns der Plan Richtung Süden und erst einmal erstaunlich steil bergauf. 


Viel Wald, riesige blühende gelbe Meere und wieder diese wundervollen Alleen. Auch heute wusste die Mecklenburgische Landschaft durchweg zu begeistern. Zudem kam der Wind heute tendenziell von achtern. Immer wenn man gerade nichts böses denkt macht es zisch. Nein nicht dieses Zisch einer geöffneten Bierflasche, sondern das Zisch des Reifens wenn man über die nicht ordnungsgemäß entsorgten Reste einer Bierflasche fährt. Tatsächlich, ein kleiner bersteinfarbener Splitter im Hinterreifen - immerhin schien die Sonne und zu zweit flickt es sich gleich drei mal so schnell, so what?


Das Brauhaus in Vielank stand auf unserer Liste der bevorzugten Zwischenhalte. Eine kühle Fass-brause und aufgespanntem Sonnenschirm, ei wäre das fein. - Fanden erstaunlich viele andere Menschen an diesem Sonntag Nachmittag offenbar auch. Wir hätten uns mit einem Drinnenplatz arrangieren müssen, jedoch fehlte uns dazu jegliche Kompromissbereitschaft. Grabow, die Stadt der DDR-Schokoküsse, nein dort gibt es auch nichts, das hätte ich beim letzten Besuch der kleinen Stadt schon schmerzlich erfahren, aber in Lübteen wurden wir fündig. Der Dorfbäcker hatte geöffnet und bot verlockendes feil. Ein Schattiges Plätzchen unter einer Eiche inclusive. 


Gestärkt erreichten wir dann recht schnell die Elbfähre in Bleckede, schoben uns an einer beachtlichen Zahl wartender Autos vorbei und ließen uns übersetzen. Die Eisdiele in Bleckede, eine der besten im weiten Umkreis, lockte zwar, aber wiederum auch nicht nur uns. Die Warteschlange erschien uns deutlich zu lang - ein Fluch des sonnigen Sonntagnachmittages. Gar übel war auch die weitere Streckenführung von hier nach Lüneburg. Da muss ich mich wohl an die eigene Nase packen, der Routenplaner schickte uns an einer viel befahrenen Landstraße ohne Radweg längs und ich hatte es nicht gemerkt. Das macht wirklich keinen Spaß, ich hätte nach einer Alternative suchen sollen.

Puh! Endlich in Lüneburg! Fahrradkarte lösen, Fahrrad (samt Gepäck) auf den Bahnsteig schleppen, denn natürlich war der Aufzug defekt, um dann zu lesen "Fahrradmitnahme nicht möglich" - Ja danke auch, es war uns ein Vergnügen. Betrachtet man es jedoch realistisch statistisch, bin ich, bei so manchen Herausforderungen, noch nie nicht dort hin gekommen wo ich hin wollte. 


Um es vorweg zu nehmen, diese Serie setzte sich auch heute fort. Der aus Uelzen kommende Metronom war, was den Fahrradtransport anging, an seiner Kapazitätsgrenze. Sehr erfreulich war jedoch, dass ein Großteil der Radfahrer in Lüneburg ausstieg und so neuen Platz schaffte. Etwas schieben, etwas räumen, die meisten Radfahrer sind in Zügen sehr kooperativ, und wir passten alle rein. Na also, geht doch. Ich freue mich schon auf das nächste sonnige, frei Wochenende, vielleicht dann mal mit Lotte? 




Donnerstag, 10. Mai 2018

Schwerin und weg



Schwerin ist neben Bremen und Kiel eine der Landeshauptstädte, die man von Hamburg aus mit dem Fahrrad, wenn man sich ein wenig ins Zeug legt, an einem Tag erreichen kann. Ok, bei optimalem Trainingsstand sind sicher auch noch Hannover, Potsdam, Berlin und Magdeburg drin, aber das Jahr ist noch jung und Lotte sollte unbedingt mit, also war ich mit Schwerin sehr gut bedient.


Um die Sache entspannter anzugehen, beschloss ich die Bahnfahrt an den Anfang zu legen, die Strecke also von Schwerin nach Hamburg zurück zu fahren. Da mein innerer Wecker etwas vor ging, erwischten wir noch den Zug kurz nach acht. Wie gut! Der war schon brechend voll, und beim Nächsten in zwei Stunden wäre es sicherlich nicht besser geworden. 

15 Minuten Schwerin reichen um klar zu machen, das hier ist nicht das, was  Radfahrer erfreut. Während man noch mit den ungewohnten Straßenbahnschienen kämpft, ließen es sich ein halbes Dutzend Autofahrer nicht nehmen dem geneigten Pedalisten davon zu überzeugen, das Regelwerk der Straßenverkehrsordnung nur rudimentär zu beherrschen. Das gelbe Schild am Stadtrand erschien mir fast wie eine Erlösung, sonst eher verschmähte Radwege, auf dem Weg dorthin, wie Oasen der Sicherheit. 


Der Stadt den Rücken gekehrt gab sich Mecklenburg gewohnt einsam, friedlich und die wenigen Bewohner freundlich zugewandt. Mit wohligem Gefühl im Bauch glitt ich mit Lotte im Körbchen auf leeren Landstraßen Richtung Westen. Eigentlich noch zu früh für eine Pause, lockte ein friedliches Plätzchen in einem kleinen Ort. Ein blühender Birnbaum, Apfelbäume, das verschwenderische Gelb des Löwenzahn, die lange vermissten schreie der Schwalben und das Summen von Millionen Bienen gaben nebst einer komfortablen Sitzgelegenheit den Ausschlag zur Rast.

Was in den nächsten 20 Sekunden passierte lässt sich kaum beschreiben. Ich setzte Lotte am Boden ab um das Fahrrad sicher zu parken. Im nächsten Augenblick machte Lotte kehrt und legte sich mit dem riesigen Hofhund des Bauernhofes auf der Rückseite des Idylls an, sprintete sodann einer Katze hinterher und bremste an einem (für Hundenasen) offensichtlich wohlriechenden Kackhaufen scharf ab um sich im nächsten Augenblick rittlings hineinzuwerfen. Mir standen Augen und Ohren offen und ich war unfähig auch nur einen Ton von mir zu geben, schleuderte jedoch eine kleine Wasserflasche, die ich in der Hand hielt, Richtung Hund. Dies wurde mit einem Quieken quittiert, Lotte sprang auf und rannte geradewegs vor ein vorbeifahrendes Motorrad. Mir stand der Schweiß auf der Stirn, an diesem ach so friedlichen Plätzchen. Wir berappelten uns beide und Lotte kam etwas reumütig angeschlichen um, man mag das jetzt wirklich nicht glauben, sich unter der Bank auf der ich saß, an einem weiteren Scheißehaufen abzuarbeiten. 


Resigniert packte ich das stinkende, klebrige Knäuel Hund in die Tasche. Zum Glück saß sie hinter mir und ich musste das nicht alles immerzu riechen. Wer nun glaubt, das sei das Ende der Flegelhaftigkeit schon gewesen, der irrt. Zum Entstinken ließ ich Lotte ein Stück neben dem Rad herlaufen, bis wir an an einer großen Kuhwiese, die von einer beachtlichen Herde Rindviechern beweidet wurde, vorbei kamen. Im Schatten eines Baumes wollte ich Lotte wieder einsammeln, sie jedoch hatte andere Pläne. Mit kleinen Scheinangriffen brachte sie die Kühe in Wallung, so lange bis ich mich, hinter einem einzigen hauchdünnen Stromdraht, 50 spitzen Hörnern gegenüber sah. Zeit Fersengeld zu geben! Ach was war Joschi doch ein lieber Hund! Ich hatte das wirklich falsch eingeschätzt, beim nächsten mal würde ich umsichtiger sein müssen.


Immer auf der Suche nach einem perfekten "tiny house" wurde ich am Dümmer See fündig. Der Pfahlbau  am See kam meinem Ideal von Schönheit, Einsamkeit, Ruhe und nicht Rasen mähen müssen schon sehr nah. Bleibt natürlich die bescheidene Frage, wer verkauft so etwas und wenn ja, woher nehme ich das Geld - aber träumen wird man doch wohl noch dürfen.


Auf einem dieser alten DDR zweispur Panzerwegen, wie man sie im noch häufig findet, machte ich hinter einer Kurve eine Entdeckung, die mein, längst verschollen geglaubtes "Pfleger-Gen" schlagartig aktivierte. Zwischen den Spuren, weit ab vom nächsten Anwesen, lag eine älter Frau leblos am Boden. Keine äußeren Verletzungen, Puls und Atmung Normal, Pupillenreflex ok, jedoch nicht ansprechbar - auch wenn ich etwas aus der diagnostischen Übung bin, mir fiel dazu zunächst  nur der tiefe feste Schlaf nach einem überstandenen epileptischen Anfall ein. Dank Google Maps und etwas Übung ließ sich auch hier in der Pampa recht zügig ein Rettungswagen heranrufen. Meine Diagnose war übrigens zutreffend, die Dame war schon bekannt. Das war nun definitiv genug Aufregung für einen normalen Samstag im Mai.


Am Schaalsee gab  es Belohnungskuchen für Mensch und Hund. Wir genossen kaffeeschlürfend den Blick über den See. Ruhe, leicht säuselnder Wind, wieder Schwalbengeschrei, und ja, Mauersegler sind auch schon da. Der Stillgelegte Bahnhof an der alten Kaiserbahn von Berlin nach Kiel war noch einen Abstecher wert. Solche Orte ziehen mich immer magisch an. 


Nach Überqueren der A24 folgten wir eine ganze Weile dem ehemaligen Grenzverlauf. Herrliches Niemandsland, es roch abwechselnd nach Kiefern, Raps (als sei man in einen Honigtopf gefallen) und Flieder, während am Himmel Greifvögel ihre Bahnen zogen. Das macht irgendwie glücklich. Auf der Brücke am Elbe-Lübeck-Kanal schloss ein weiterer Liegeradfahrer zu mir auf. Seltene Begegnung auf dem platten Land, nur 0,07 Promille aller Fahrräder sind Liegeräder, also 7 von 100.000. Der Kollege war am Morgen in Wismar gestartet und kam zu einem Familienbesuch nach Büchen. Bisschen Fachsimpeln, ein paar Tipps hin, ein paar Tipps her, gute Fahrt, vielleicht sieht man sich ja mal wieder. Das ist nicht unwahrscheinlich, die Szene kennt sich dann doch irgendwie. 


Unerfreulich war, dass die Routenplanung, heute von der im allgemeinen hervorragenden App Komoot vorgeschlagen, lange Zeit der Bundesstraße folgte. Der Belag des neuen Radweges war zwar tadellos, jedoch nervte der Verkehr auf die Dauer. Ich beschloss vom Vorgegebenen Weg abzuweichen und mich weiter südlich Richtung Elbe zu halten. Die Folge waren 20 weitere Kilometer. So waren es am Ende dann fast 140 an der Zahl. So weit war ich noch nie mit einem Sesselrad gefahren, so weit war ich noch nie mit Lotte gefahren. Achja, Lotte - das Biest - für den Rest des Tages hatte sich sich fast wieder vorbildlich verhalten. Das Vollbad war jedoch unausweichlich.









Samstag, 24. Februar 2018

Mit einem Dreifinger-Faultier durch den Duvenstedter Brook



Der Duvenstedter Brook ist ein Naturschutzgebiet am nordöstlichen Zipfel des Hamburger Stadtgebietes. Man liest immer mal wieder in der lokalen Presse davon, irgendwie war es mir ein Begriff, aber dort gewesen war ich noch nie. Das sollte sich am heutigen Samstag ändern. Minusgrade und strahlender Sonnenschein schienen mir perfekt für einen weiteren abenteuerlichen Ausflug mit dem Hund. 


Das mit dem Abenteuer ging dann auch ganz fix. Gerade in Ohlstedt aus der U-Bahn gestiegen und erst wenige Meter in den Wohldorfer Wald eingebogen ließ mich ein Geräusch Herumfahren. Was sich wie eine Büffelherde anhörte war in Wirklichkeit eine Wildschweinrotte, die nur wenige Meter hinter uns aus dem Unterholz brach und über den Waldweg preschte. Ein halbes Dutzend Bachen mit Einjährigen trabten zügig vorüber. Lotte setzte zum Tiefflug an. Nach 5 Metern bewegte sie sich quasi schwebend Richtung Schwein. Etwas panisch blies ich die kleine Pfeife am Rucksack. Lotte landete abrupt und kam sich fast schon gemütlich ihr Leckerli abholen. Ich war mir nicht sicher ob ich mich meiner Begeisterung darüber hingeben sollte oder schnell noch aus der Hüfte ein paar Fotos von den Schwein schießen sollte. Multitasking war angesagt. 


Nach gut fünf Kilometern Wegstrecke begann der Duvenstedter Brook. Da war doch was, ich erinnerte mich blass aber auch diverse Schilder am Wegesrand waren unmissverständlich: absolutes Hundeverbot im gesamten Naturschutzgebiet. Das ist ein Problem, gerade, wenn man eine Wanderung so ausgelegt hat, dass man sein Ziel mit Endes des Tageslichts erreichen würde und es keine beschilderte Ausweichroute gibt. Ich beschloss Lotte an die Leine zu nehmen und weiter zu gehen. Schon seit mehr als einer Stunde hatte ich keinen Menschen mehr gesehen und so sollte es auch in den nächsten beiden Stunden bleiben. Würde es schlimm kommen, könnt man mir eine Ordnungswidrigkeit nachsagen, aber dazu müsste es ja erst einmal kommen. Außerdem beschloss ich, das Lotte gar kein Hund sondern ein Dreifinger-Faultier sei, wie man sicherlich gleich erkennen würde, wenn man einen gewisse Grad von Allgemeinbildung besäße. Ein Explizites Dreifinger-Faultier-Verbot gab es im Schutzgebiet jedenfalls nicht. 


Der Duvenstedter Brook entpuppte sich als bemerkenswert schöne Landschaft. Naturbelassene Waldabschnitte mit viel Totholz wechselten mit sumpfigen und steppen artigen Gebieten. Bei diesem Kaiserwetter war das sehr schön anzusehen. 


Der Naturgenuss war nahezu ungetrübt. Nahezu, weil vom Flughafen Fuhlsbüttel (der jetzt Helmut Schmidt heißt), ab und an ein Flieger geräuschvoll vorüberzog und die Sache mit dem Dreifinger-Faultier ließ mich auch nicht wirklich zur Tiefenentspannung finden. Immerhin hatte Lotte heute keine Chance sich in irgend einem Schlammloch zu amüsieren. Der Erdboden war überwiegend gefroren und den Rest erledigten wir mit der Leine. 


Nach drei Stunden war es an der Zeit für ein kleines Picknick. Ein Hochstand bot sich als trockene, windgeschützte Sitzmöglichkeit an. Es gab Apfelkrapfen und heißen Kaffee, während sich Lotte die Zeit damit vertrieb, am Horizont vorbei fahrende Autos anzuknurren. Manchmal hat sie doch sehr seltsame Macken. 


In Ohlstedt zurück fuhr mir die U-Bahn vor der Nase fort. Das war der Ausgleich für die Hinfahrt, wo ich die U1 in der heimischen Lohmühlenstraße punktgenau traf. So stand ich also noch eine Weile auf dem Bahnsteig herum und dachte über den vergangenen Winterwandertag nach. Sicher würde ich hier noch einmal her kommen, aber Lotte würde ich dann zu Hause lassen, Am Ende war mir das doch ein wenig zu viel Aufregung. 





Donnerstag, 8. Februar 2018

Jeetzel Auen


Das hatte man sich ja fein ausgedacht, den über Jahrzehnte gesammelten deutschen Atommüll im letzten Winkel der Republik zu verscharren, dort wo (fast) niemand mehr wohnt und gleich die DDR anfängt, also dort wo es nun wirklich niemanden interessiert bis Gras drüber gewachsen oder der Salzstock eingestürzt sei. Da hatte man jedoch den Strich zu früh unter die Rechnung gezogen. Die Wenden entpuppten sich als zähe Kämpfer für ihren wundervollen Landstrich und im Laufe der Geschichte ergab es sich, dass aus ganz am Ende das Mittendrin wurde. 


In Dannenberg, wenige Kilometer vor dem Acker, auf dem der strahlende Müll, unter einer Plane, auf eine gute Idee wartet, endet die Wendlandbahn. Der Erixx fährt nur alle drei Stunden, die Infrastruktur lässt einen dichteren Takt nicht zu. Da muss man sich halt drauf einstellen. Das Tolle ist, die Bahnstrecke liegt noch im Hamburger Verkehrsverbund und ich muss am Wochenende für die Fahrt nichts zahlen. 


Für den Anfang, bei nass-winterlichen Wetterverhältnissen, reichte mir eine drei Stunden Wanderung völlig aus. Der Blick auf die Landkarte, bei der Planung am Tag zuvor, ließ zunächst nichts höchst spannendes erwarten. Dem Unterlauf der Jeetzel wollte ich folgen und dann von Hitzacker mit der Bahn wieder zurück nach Hamburg fahren. Fertig!



Lotte war guter Dinge. Nach einer für sie langweiligen Woche im Büro ging es heute endlich wieder auf Reisen. Wenn ich den kleine Wanderrucksack packe, dann weiß sie gleich was los ist. Thermosflasche, Akkus, Handy, GPS-Gerät, ein paar Bonbons und die Leckerlis - Aufbruch! Ab Lüneburg wird die Bahnfahrt gemächlich und man hat die Zeit, sich auf das Wendland einzustimmen. Es fühlt sich dann auch an, wie irgendwo zwischen Mittelalter und 1980. Man kann es nicht so recht beschreiben, man muss es sich ansehen und spüren. 


Auf einer ehemals kopfsteinpflasternen Allee verließ ich Dannenberg und mit jedem Schritt weitete sich mit der Landschaft auch mein Herz. Fast ehrfürchtig blieb ich stehen und konnte es gar nicht fassen. War ich in einem Film von Heinz Sielmann gelandet? Nein, das war nicht die Serengeti, das war das Wendland und es war feucht und es schneite leicht, aber sonnst stimmt alles. Ein Rudel von mehr als 30 Rehen stob aufgeschreckt davon und rannte mitten hinein in einen riesigen Gänseschwarm, der sich aufgeregt in den Himmel erhob. Wow! Welch ein Bild! Zwei Kraniche die auf Tuchfühlung über mich hinweg flogen machten das Bild perfekt. 


Giraffen, Antilopen, Löwen, Elefanten, in meiner Fantasie hätte alles in diese Landschaft gepasst -  nur wie gesagt, es war Winter und ich war im Wendland. Wir genossen jeden Meter. Lotte mühte sich redlich, die Pfützen zu umgehen, aber bald hatten sich doch kleine Eiszapfen im Fell gebildet. 



Zwischen Nienwedel und Seerau hatte das Winterhochwasser die Jeetzel zu einem breiten Strom anschwellen lassen. Während das Schneetreiben dichter wurde legten wir an einer geschützten Stelle eine kleine Kaffeepaus ein um dabei mit Muße die Landschaft zu betrachten. In meine ganzen bisherigen Leben hatte ich noch nie so viele Rehe gesehen wie an diesem einen Tag und das spektakuläre an dieser Landschaft ist, dass es hier nichts gibt, aber davon eine ganze Menge.    


Ziemlich glücklich stieg ich in Hitzacker wieder in die Wendlandbbahn. Der Zug war noch auf dem Hinweg nach Dannenberg, aber wozu in der Kälte stehen? Aus dem Fenster schaute ich im vorüberfahren noch zwei Mal hinaus in die weiten Jeezel Auen. Mir kam so eine Idee davon, warum mein Ex-Nachbar vor ein paar Wochen aus dem hippen St. Georg zum Atommüll ins Wendland gezogen ist.